SCENE_01
Die Frage über die Schulter mitten im Refactoring
Du bist mitten in einem Refactoring, drei Dateien offen, die Umbenennung fast fertig, als eine Kollegin ihre Hand auf deine Stuhllehne legt und fragt, warum die Pipeline gerade rot ist. Du zeigst in dreißig Sekunden auf den fehlerhaften Test. Sie geht zurück an ihren Platz. Du starrst auf den Cursor an der Stelle, wo du aufgehört hast, und der Gedanke ist da: „Jede Unterbrechung beweist, dass ich meine Zeit nicht schützen kann.“
SCENE_02
Du zählst Unterbrechungen statt Dateien umzubenennen
Das Refactoring wird zur Nebensache, während im Kopf eine Strichliste läuft: die Pipeline-Frage, vorhin die kurze Nachfrage zum Deploy, davor der Kalenderping. Jede Zeile auf dieser Liste fühlt sich an wie ein weiterer Beleg dafür, dass du den Vormittag nicht im Griff hattest. Du drehst den Monitor leicht vom Gang weg, hältst die Kopfhörer bewusst länger auf, und trotzdem prüfst du alle paar Minuten, ob wieder jemand kommt, statt weiterzumachen.
SCENE_03
Die Strichliste war nie das ganze Refactoring
Genauer betrachtet: Die Frage hat dich dreißig Sekunden und einen kurzen Wiedereinstieg gekostet, nicht das Refactoring selbst. Öffne eine private Notiz und trage ein, wie viele Dateien du heute tatsächlich fertig umbenannt hast, verglichen mit der reinen Dauer der Unterbrechungen. Der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist meist kleiner als die Geschichte, die die Strichliste erzählt.