FORSCHUNGSAKTE
Was-soll's-Effekt
Der Was-soll's-Effekt ist der kognitive Prozess, durch den eine einzelne wahrgenommene Ernährungsübertretung als Beweis dafür umgedeutet wird, dass der gesamte Tag — oder die gesamte Diät — nun 'ruiniert' ist. Einmal als bereits gescheitert eingestuft, werden die psychologischen Kosten des Weiteressens als null wahrgenommen, was jede Motivation zum Aufhören beseitigt. Von Polivy und Herman in den 1980ern geprägt, erklärt der Effekt, warum die Größe des anfänglichen Ausrutschers oft unkorreliert mit der Größe des nachfolgenden Binges ist: Die Stärke des Bingens wird durch die Umdeutung angetrieben, nicht durch die Übertretung selbst.
Wie es im Kopf klingt
Das innere Skript: «Ich hab den Keks schon gegessen — der Tag ist sowieso ruiniert, kann ich genauso gut die ganze Tüte leeren und morgen neu anfangen.» Die Forschung liest es anders: Der Tag ist keine Abrechnungseinheit, die durch ein einzelnes Element 'ruiniert' werden kann. Die Umdeutung ist der Mechanismus, keine rationale Beschreibung der Realität — und sie beim Namen zu nennen ist der erste Unterbrechungspunkt.