SCENE_01
Der Moment beim Kaffee
Dein Vorgesetzter bleibt am Schreibtisch stehen und sagt: Das Projekt war wirklich gut. Du hast das gut gemacht. Es ist gemeint als Bestätigung. Dein Magen zieht sich zusammen. Du nickst, sagst Danke, und wendest dich ab, bevor das Gespräch tiefer wird. Am gleichen Nachmittag sitzt du in einem Meeting und hörst einer Kollegin zu, die ein ähnliches Projekt beschreibt — eines, das nicht so gut lief. Du merkst, wie du mental wieder rechnest: Sie wurde vor sechs Wochen entlassen. Ich nicht. Sie war genauso bemüht. Ich bin nicht bemühter. Also warum die und nicht ich?
SCENE_02
Die Schuld beim Erfolg
Das ist die Regel, auf der dein Unbehagen läuft: Wenn ich etwas Gutes behalte, das willkürlich verteilt wurde, bin ich für ihre Abwesenheit irgendwie mitverantwortlich. Du versuchst nicht, dich schuldig zu fühlen — es passiert von selbst. Jede positive Rückmeldung, jeder kleine Erfolg wird sofort übersetzt in: Das bin nicht ich, das ist Glück. Und wenn es Glück ist, kann ich nicht stolz darauf sein. Die Folge ist eine stille Lähmung. Du machst die Arbeit, aber du erlaubst dir nicht, gut daran zu fühlen. Du hältst dich klein. Du entschuldigst mental deine Kollegen, wenn sie etwas erleben, das sie vermisst haben. Die Arbeit wird zur Schuldform.
SCENE_03
Die Willkür sehen
Hier liegt der Wendepunkt: Es gibt keine Antwort auf warum die und nicht ich, weil Entlassungsentscheidungen nicht sauber sind. Das ist kein Beweis dafür, dass du nicht verdient hast, zu bleiben. Das ist ein Beweis dafür, dass Organisationen unordentlich entscheiden. Du hast deinen Job behalten. Du hast nicht ihren genommen. Das sind zwei verschiedene Sätze in zwei verschiedenen Geschichten. Das Unbehagen bei deinem Erfolg ist nicht ein Zeichen, dass er falsch war — es ist ein Zeichen, dass die Situation, in der er passiert ist, unsauber war. Das darfst du trennen.