FORSCHUNGSAKTE
Wert an Reinheit geknüpft
Wert an Reinheit geknüpft ist das verinnerlichte bedingte Selbstwertskript, das durch Botschaften der Reinheitskultur entsteht und in dem der grundlegende Wert einer Person als Mensch als abhängig von ihrer Sexualgeschichte, körperlicher Bescheidenheit und Einhaltung geschlechtsbezogener Reinheitserwartungen behandelt wird. Im Gegensatz zu einer äußeren Verhaltensregel operiert dieses Skript als zentraler Identitätsglaube: 'Reinheit' zu verlieren oder nie gehabt zu haben, wird als Verlust von Menschlichkeit erlebt, nicht nur als Regelbruch. Die klinische Arbeit mit Betroffenen zeigt konsequent, dass dieses Skript mit Körperscham-Skripten verflochten ist und unabhängig davon bestehen bleibt, ob die Person die religiösen Überzeugungen, die es erzeugt haben, noch hält.
Wie es im Kopf klingt
Das innere Skript: 'Ich habe es schon vermasselt, also spielt es keine Rolle mehr, was ich mit meinem Körper mache — ich habe das Einzige verloren, das mich irgendetwas wert machte.' Oder in einer späteren Beziehung: 'Ich kann ihnen nicht von meiner Vergangenheit erzählen. Wenn sie es wüssten, würden sie sehen, dass ich wertlos bin.' Der Glaube überdauert den Reinheitsring.