FORSCHUNGSAKTE
Überverpflichtungs-Kaskade
Die Überverpflichtungs-Kaskade ist der Stau, der entsteht, wenn man künftigen Bitten unter der Illusion künftiger freier Zeit zustimmt: Menschen erwarten, dass ihr 'Slack' — freie Zeit — in der Zukunft viel größer sein wird, als er sich dann erweist, sodass ferne Verpflichtungen beim Zusagen billig und bei Fälligkeit teuer wirken (Zauberman & Lynch, 2005). Jedes billige Ja stapelt sich auf das letzte, bis der Kalender selbst die Grenzen bricht, die die Person nie ausgesprochen hat. Regelbasierte Absagen ('Ich übernehme keine Wochenend-Verpflichtungen') unterbrechen die Kaskade schon beim Fragen (Patrick & Hagtvedt, 2012).
DIE ÜBUNG ANSEHEN
Mach aus einem Gedanken, den diese Forschung erklärt, einen klaren Schritt.
DER GEDANKE
“Es anzusprechen wäre unhöflich”
DEINE AUFGENOMMENE ANTWORT
“Ich möchte dazu lieber nichts sagen.”
EIN PRIVATER SCHRITT
Schreibe auf einen Zettel genau einen Satz, den du in einer ähnlichen Situation sagen könntest, und lege ihn sichtbar neben die Tasche, das Notizbuch oder das Handy. Danach falte den Zettel einmal und steck ihn weg.
Wie es im Kopf klingt
Die Selbstgesprächs-Version: 'Das ist erst in sechs Wochen — natürlich kann ich beim Umzug helfen.' Sechs Wochen später teilt sich dieses Ja ein Wochenende mit zwei anderen fernen Jas, und du brennst entweder aus, um alle drei zu halten, oder sagst spät ab und fühlst dich wie ein schlechter Freund — genau das Ergebnis, das die Jas vermeiden sollten.