FORSCHUNGSAKTE
Unsichtbarer Bitten-Druck
Unsichtbarer Bitten-Druck ist der blinde Fleck auf der Seite des Bittenden im Unterschätzungs-Effekt: Wer eine Bitte äußert, unterschätzt um bis zu 50 %, wie wahrscheinlich andere Ja sagen, weil er das soziale Unbehagen des Ablehnens nicht spürt, das seine Bitte erzeugt (Flynn & Lake, 2008; Bohns, 2016). Unter Freunden wirkt das in beide Richtungen — deine Freunde sehen den Druck ihrer Bitten auf dich nicht, und du siehst den Druck deiner Bitten auf sie nicht.
DIE ÜBUNG ANSEHEN
Mach aus einem Gedanken, den diese Forschung erklärt, einen klaren Schritt.
DER GEDANKE
“Es anzusprechen wäre unhöflich”
DEINE AUFGENOMMENE ANTWORT
“Ich möchte dazu lieber nichts sagen.”
EIN PRIVATER SCHRITT
Schreibe auf einen Zettel genau einen Satz, den du in einer ähnlichen Situation sagen könntest, und lege ihn sichtbar neben die Tasche, das Notizbuch oder das Handy. Danach falte den Zettel einmal und steck ihn weg.
Wie es im Kopf klingt
Die Selbstgesprächs-Version: 'Sie fragen ja immer wieder, also muss es okay sein — wäre es zu viel, würden sie es sagen.' Währenddessen läuft bei deinem Freund dasselbe Skript über dich. Zwei Menschen, die die Compliance des anderen jeweils als Zustimmung lesen, ohne den Druck zu sehen, den das Bitten selbst erzeugt — bis sich ein Konto still mit Groll füllt.