FORSCHUNGSAKTE
Hochrisikosituationskette
Eine Hochrisikosituationskette ist die Abfolge interner und externer Bedingungen, die eine Person auf einen Ausrutscher zutreiben: Emotionale Dysregulation (Stress, Langeweile, Einsamkeit, Frustration) → Begegnung mit einem Auslöser (ein Ort, eine Person, ein emotionaler Zustand oder eine Tageszeit, die mit dem Verhalten verbunden ist) → unzureichende oder fehlende Bewältigungsreaktion → erlaubnisgebender Gedanke → Ausrutscher. Marlatt's RP-Forschung etablierte, dass die Kette kein Unfall oder keine Überraschung ist — sie ist ein lernbares, kartierbares Muster, was bedeutet, dass jedes Glied im Voraus identifiziert und ein Bewältigungsplan für die fehlende Fähigkeit eingesetzt werden kann.
DIE ÜBUNG ANSEHEN
Mach aus einem Gedanken, den diese Forschung erklärt, einen klaren Schritt.
DER GEDANKE
“Ich muss mich erst kurz entspannen”
DEINE AUFGENOMMENE ANTWORT
“Der Drang ist eine Anfrage, kein Befehl. Ich muss ihr nicht sofort folgen.”
EIN PRIVATER SCHRITT
Stell einen unbequemen Gegenstand oder einen notierten Satz neben dich, leg das Handy außer Reichweite und bleib 90 Sekunden beim Bildschirm oder Papier. Nur beobachten: Was wollte ich gerade vermeiden?
Wie es im Kopf klingt
Das Skript: 'Ich weiß nicht, was passiert ist — es ist irgendwie von selbst passiert.' Die Forschung widerspricht: Die Kette umfasst fast immer einen erkennbaren emotionalen Zustand (Erschöpfung, Stress, Langeweile), einen spezifischen Auslöser und ein inneres Argument, das die Lücke schloss. Die Kette im Nachhinein zu kartieren — nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um zu identifizieren, wo der nächste Bewältigungsplan ansetzt — ist genau das, worauf Rückfallpräventionstraining aufbaut.