SCENE_01
Backstube, kurz vor vier Uhr morgens
Zwischen zwei Ofenladungen Brötchen hast du mehlige Finger und zweiundneunzig Sekunden, bis der Timer wieder piept. Du wischst den Bildschirm mit dem Handrücken sauber und öffnst die Chatliste. Ihr Name stand vor einer Woche noch ganz oben, jetzt ist er auf Platz sechs, überholt von einer Familiengruppe und einer Lieferbenachrichtigung. Du ziehst die Liste nach unten, als würde Aktualisieren sie zurückholen.
SCENE_02
Was Platz sechs angeblich beweist
Du liest die Position wie ein Urteil: Platz sechs heißt, sie zieht sich zurück, Platz sieben wäre schlimmer, Platz eins würde bedeuten, du bist noch sicher. Du öffnest den Chat nur, um die letzten Nachrichten noch einmal zu lesen, auf der Suche nach der Stelle, an der ihr Interesse zu bröckeln begann. Du tippst eine beiläufige Nachricht, löschst sie aber vor dem Absenden — denn sie zu schreiben und nicht abzuschicken ist die einzige Art, die Abrutscherei zu bemerken, ohne zuzugeben, dass du mitzählst.
SCENE_03
Wonach die Liste tatsächlich sortiert
Beim nächsten Ofenpiepen siehst du es anders: Die Liste sortiert nach Uhrzeit, nicht danach, wem du wichtig bist. Eine Familiengruppe kann jederzeit an jemandem vorbeiziehen, der dir mehr bedeutet, weil das genau so funktioniert, wie eine Sortierung nach Zeitstempel funktionieren soll — kein Ranking der Zuneigung. Vor der nächsten Pause beschließt du, statt der Position die tatsächliche Stundenzahl seit ihrer letzten Nachricht zu notieren.