SCENE_01
Als Dritter in der Schlange
Du stehst als Dritter in der Schlange vor dem Beichtstuhl und ordnest deine Fehler im Kopf wie eine Liste, überlegst, welchen du zuerst nennst, damit der schlimmste nicht am Anfang steht. Die Person vor dir tritt ein, die Tür fällt leise ins Schloss, und dein Magen zieht sich zusammen. Du probst die Sätze erneut, Wort für Wort, überzeugt, dass er diesmal mehr hört als nur die Worte.
SCENE_02
Sein Gesicht als Urteil lesen
Drinnen, sobald du sprichst, beobachtest du sein Gesicht nach jedem Zucken — einer Pause, einem Blick — als Beweis, dass er hinter die Worte geschaut hat und sieht, was du wirklich bist. Bleibt er still, entscheidest du, dass er seine Reaktion verbirgt. Antwortet er ruhig, nimmst du an, er habe noch nicht verstanden. So oder so gehst du und formulierst im Kopf um, was du gesagt hast, sicher, dass die eigentliche Wahrheit noch unentdeckt dasteht.
SCENE_03
Ein Stuhl, in dem er die ganze Woche sitzt
Er prüft dich nicht auf ein Urteil hin; er hört Worte, die in einer Kabine gesprochen werden, in der er die meisten Wochen stundenlang sitzt und Hunderte ähnliche Ängste wie deine hört. Sein Gesicht zu lesen ist nicht der Weg zur Absolution — die Worte sind es. Versuch das: Schreib, nur für dich selbst auf Papier, den einen Satz, den auszusprechen dir am meisten Angst macht, und lies ihn einmal wieder. Er bleibt einfach ein Satz.