SCENE_01
Die Küche nach dem Abendessen
Du stellst zwei Gläser in die Spülmaschine und bemerkst, dass niemand mehr fragt, ob die Nachtischschüssel rausgestellt wurde. Der Flur ist plötzlich nur ein Flur. Da ist dieser Gedanke: „Die Kinder sind ausgezogen und ich weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Nicht, weil du dramatisch sein willst, sondern weil der Tagesrhythmus, an dem sich alles aufgehängt hat, auf einmal fehlt.
SCENE_02
Das leise Urteil über dich selbst
Du liest in die Stille hinein: Wenn die Mutter- oder Vaterrolle nicht mehr gebraucht wird, dann bin ich offenbar auch als Person weniger klar. Darum erzählst du auf Fragen eher, was früher zu organisieren war, als was heute in deinem Leben Platz hat. Vielleicht vergleichst du dich sogar mit Menschen, die scheinbar außerhalb von Familie oder Arbeit noch etwas Eigenes haben.
SCENE_03
Ein neuer Ort für Identität
Die Rolle war real. Ihr Ende auch. Was jetzt irritiert, ist kein Beweis, dass du verschwunden bist, sondern dass ein ganzer Teil deiner Ordnung weg ist. Identität hängt oft an Aufgaben, die lange alles zusammengehalten haben. Der genauere nächste Schritt ist klein: nicht abschließen, sondern einen anderen Teil von dir benennen, der noch da ist und gepflegt werden kann.