FORSCHUNGSAKTE
Mitgefühlserschöpfungs-Zyklus
Der Mitgefühlserschöpfungs-Zyklus beschreibt die progressive emotionale Taubheit und den sekundären traumatischen Stress, der sich bei Klinikmitarbeitern durch wiederholte Exposition gegenüber Patientenleiden ansammelt — besonders im typischen Ausmaß der Intensivmedizin. Von Figley 1995 definiert und von Van Mol et al. 2015 in Intensivstationspopulationen quantifiziert (bis zu 40 % Prävalenz in einigen Stichproben), ist es ein Berufsphänomen, kein Zeichen unzureichender Fürsorge oder mangelhaften Charakters.
Wie es im Kopf klingt
Das innere Skript: 'Früher habe ich geweint, wenn ein Patient starb. Jetzt fühle ich nichts und das erschreckt mich — ich muss ein schlechterer Mensch geworden sein.' Die Forschung liest es anders: emotionale Taubheit nach anhaltender Betreuung mit hoher Belastung ist die Schutzanpassung des Organismus, keine Charakterveränderung. Die Abwesenheit von Gefühl ist der Output des Erschöpfungszyklus, nicht die Wahl des Klinikers.