FORSCHUNGSAKTE
Zweites-Opfer-Phänomen
Das Zweites-Opfer-Phänomen beschreibt die vorhersagbare psychologische Verletzung, die Klinikmitarbeiter nach Beteiligung an einem unerwünschten Patientenereignis erleiden — Schuld, intrusives Wiedererleben, Selbstzweifel, Schlaflosigkeit und Infragestellung der klinischen Kompetenz. Von Albert Wu 2000 geprägt und durch mehrere Folgestudien quantifiziert (SeViD-I fand 12,4 % Prävalenz; AHRQ schätzt 10–43 %), ist es nun ein anerkanntes Berufskonstrukt — kein Urteil über Charakter oder Kompetenz.
Wie es im Kopf klingt
Das innere Skript nach einem vermeidbaren Tod: 'Ich habe die Entscheidung hundertmal durchgespielt. Wenn ich es früher bemerkt hätte, wäre er noch am Leben. Ich bin nicht geeignet, hier zu sein.' Die Forschung liest es anders: dieses Wiedererleben, diese Schuld, diese Erosion des Selbstvertrauens ist eine dokumentierte Berufsverletzung, die zwischen 10 % und 43 % der Klinikmitarbeiter in ähnlichen Situationen erleben — kein einzigartiger Beleg für individuelle Ungeeignetheit.