FORSCHUNGS_CHRONIK
Die Wissenschaft der Handy-Angst: Warum 'Zuletzt online' dich nicht beruhigt
Smartphones haben jeder Beziehung eine Statusleiste hinzugefügt — online, zuletzt online, gelesen um 21:47 Uhr — und aus gewöhnlicher Ungewissheit etwas gemacht, das man in Echtzeit aktualisieren sieht. Wer 'elektronisches Eindringen' und Partnerüberwachung erforscht, verfolgt seit über zehn Jahren, was tatsächlich passiert, wenn jemand das Handy, die Social-Media-Feeds oder den Status des Partners kontrolliert: Das Kontrollieren hängt weit mehr mit der eigenen Bindungsangst der kontrollierenden Person zusammen als mit dem, was der Partner tatsächlich tut — und es geht mit mehr Eifersucht und weniger Vertrauen einher, nicht weniger. So sieht die Datenlage zu dieser Schleife aus.
Wie sich die Wissenschaft verändert hat · 2007–2015
- 2007
Mikulincer und Shaver formalisieren die 'Hyperaktivierungsstrategien' der Bindungstheorie: Wenn ängstlich gebundene Menschen spüren, dass ein Partner nicht verfügbar sein könnte, reagieren sie mit Wachsamkeit, Protest und verstärktem Beobachten auf der Suche nach Beruhigung — ein Muster, das später fast unverändert in Statusanzeigen und Messenger-Apps wiedergefunden wurde. ↗
- 2011
Elphinston und Noller veröffentlichen das erste validierte Maß für 'Facebook-Intrusion' — das obsessive Kontrollieren des Partnerprofils — und finden, dass sie eifersüchtige Gedanken und geringere Beziehungszufriedenheit vorhersagt, keine Beruhigung. ↗
- 2012
Hall und Baym zeigen, dass höhere Erwartungen an ständigen mobilen Kontakt mit dem Partner mehr Überabhängigkeit und ein Gefühl des Gefangenseins vorhersagen, was wiederum geringere Beziehungszufriedenheit vorhersagt — mehr Nachfragen ist nicht einfach mehr Fürsorge. ↗
- 2013
Marshall, Bejanyan, Di Castro und Lee stellen fest, dass Bindungsangst — nicht irgendein objektives Partnerverhalten — mehr Facebook-Überwachung vorhersagt, und ein einwöchiges Tagebuch zeigt, dass dieselben Personen an Tagen mit erhöhter eigener Angst mehr überwachen. ↗
- 2013
Muscanell und Kollegen finden, dass Menschen sich gezielt Sorgen machen, dass romantische Partner ihre eigene Online-Aktivität sehen — die Angstschleife läuft also in beide Richtungen: beobachtet zu werden und selbst zu beobachten. ↗
- 2014
Fox und Warber finden, dass Beziehungsunsicherheit — nicht bestätigte Hinweise auf ein Problem — die Partnerüberwachung in sozialen Medien vorhersagt, und dass Bindungsangst überhaupt erst diese Unsicherheit erhöht. ↗
- 2015
Reed, Tolman und Safyer prägen den Begriff 'elektronisches Eindringen' für das ungenehmigte Lesen privater Nachrichten des Partners, das Verfolgen seines Aufenthaltsorts und das Überwachen, mit wem er spricht — und finden, dass Bindungsangst dies bei Männern und Frauen in studentischen Dating-Beziehungen gleichermaßen vorhersagt. ↗