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FORSCHUNGS_CHRONIK

Die Wissenschaft von sozialem Vergleich und Feed-Neid

Dein Gehirn misst 'Wie stehe ich da?' am Vergleich mit anderen — das ist kein Defekt, sondern ein 70 Jahre alter Befund. Aber der Feed liefert ihm eine manipulierte Stichprobe: die geschnittenen Bestmomente aller anderen, passiv durchgescrollt, tausende Male am Tag. Die Forschung zeigt: Menschen verbergen ihre negativen Gefühle, und wir unterschätzen, wie verbreitet die Probleme anderer sind — die Anzeigetafel zeigt also immer 'alle außer dir'. Hier steht, was die Studien wirklich fanden — und was passierte, als Forschende die Dosis veränderten.

Wie sich die Wissenschaft verändert hat · 19542018

  1. 1954

    Leon Festinger veröffentlicht 'A Theory of Social Comparison Processes': Fehlen objektive Maßstäbe, bewerten Menschen ihre Meinungen und Fähigkeiten im Vergleich mit anderen — bevorzugt mit ähnlichen.

  2. 1981

    Thomas Wills' 'Downward Comparison Principles in Social Psychology' zeigt: Die Richtung zählt. Menschen unter Belastung können ihr Wohlbefinden stützen, indem sie sich mit Schlechtergestellten vergleichen — der Aufwärtsvergleich schneidet also tendenziell in die andere Richtung.

  3. 2011

    Jordan, Monin, Dweck und Kollegen zeigen: 'Elend hat mehr Gesellschaft, als man denkt.' Negative Gefühle werden stärker verborgen als positive, Menschen unterschätzen, wie verbreitet negative Erfahrungen anderer sind — und diese Unterschätzung sagt Einsamkeit und Grübeln vorher.

  4. 2013

    Krasnova und Kollegen dokumentieren 'Neid auf Facebook': In ihrer Studie fand rund jeder fünfte kürzliche neidauslösende Vorfall auf der Plattform statt, mit passivem Verfolgen anderer als zentralem Auslöser — sie beschreiben eine mögliche sich selbst verstärkende 'Neidspirale'.

  5. 2013

    Kross, Verduyn und Kollegen schicken jungen Erwachsenen zwei Wochen lang fünfmal täglich Nachrichten: Je mehr Facebook genutzt wurde, desto schlechter fühlten sich die Personen danach und desto stärker sank ihre Lebenszufriedenheit — direkter sozialer Kontakt sagte dagegen besseres Befinden vorher.

  6. 2015

    Verduyn, Kross und Kollegen machen es kausal: Teilnehmende, die Facebook passiv nutzen sollten (nur scrollen), fühlten sich am Ende des Tages schlechter als aktiv Nutzende — und der Effekt lief über Neid.

  7. 2018

    Hunt, Marx, Lipson und Young führen ein randomisiertes Experiment durch: Studierende mit einem Limit von etwa 10 Minuten pro Plattform und Tag (~30 Minuten gesamt) zeigten nach drei Wochen deutlich weniger Einsamkeit und Depressivität als bei gewohnter Nutzung.

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