REALITYWIPE

FORSCHENDE

Die Wissenschaft des klinischen Leidens: Warum Schuld, Schweigen und Taubheit nach einem Fehler Berufsphänomene sind — keine Charakterschwächen

4 die forschenden dahinterWenn in der Patientenversorgung etwas schiefläuft, teilt sich das klinische Team oft in zwei: den geschädigten Patienten (das erste Opfer) und die Kli

Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health

Albert W. Wu

Bekannt für:Prägung des 'Zweites-Opfer'-Konstrukts im Jahr 2000 — Benennung der psychologischen Verletzung, die Klinikmitarbeiter nach unerwünschten Patientenereignissen erleiden, als legitime Berufsschädigung, die systemische Unterstützung erfordert

Zentrale Befunde

  1. 2000

    In einem BMJ-Editorial beschrieb Wu Klinikmitarbeiter, die an unerwünschten Patientenereignissen beteiligt waren, als 'zweite Opfer' — und argumentierte, dass Schuld, Selbstzweifel, Schlaflosigkeit und intrusives Wiedererleben echte Berufsverletzungen sind, die das Gesundheitssystem routinemäßig weder anerkennt noch unterstützt, und dass das Schweigen darüber den Schaden vertieft.

Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain

Reinhard Strametz

Bekannt für:Die SeViD-I-Studie — eine der größten quantitativen Untersuchungen der Zweite-Opfer-Prävalenz, durchgeführt mit 10.000 jungen deutschen Ärzten in der Inneren Medizin

Zentrale Befunde

  1. 2021

    Strametz und Kollegen fanden, dass 12,4 % von 10.000 befragten jungen deutschen Ärzten in der Inneren Medizin Kriterien für erhebliche Zweite-Opfer-Belastung erfüllten — was die Gültigkeit des Konstrukts außerhalb seiner englischsprachigen Ursprünge bestätigt und eine der bisher größten Prävalenzschätzungen liefert.

Tulane University

Charles R. Figley

Bekannt für:Einführung von 'Mitgefühlserschöpfung' als formales psychologisches Konstrukt 1995 — Rahmung der emotionalen Kosten der Betreuung traumatisierter Personen als Berufsbelastung mit dokumentierbaren Folgen, nicht als persönliches moralisches Versagen

Zentrale Befunde

  1. 1995

    Figleys herausgegebener Band 'Compassion Fatigue' führte den Begriff als formales Konstrukt für den sekundären traumatischen Stress ein, den diejenigen erleben, die Traumatisierte betreuen — und stellte fest, dass die emotionalen Kosten der Pflege messbar und beruflich vorhersagbar sind, womit eine systematische Forschungsagenda für die Belastung von Gesundheitsberufen eröffnet wurde.

Erasmus University Medical Center

Monique M.C. van Mol

Bekannt für:Das systematische Review 2015 zur Prävalenz von Mitgefühlserschöpfung und Burnout bei Intensivfachkräften — Aufstellung quantitativer Benchmarks für die Berufsbelastung und Rahmung emotionaler Taubheit als strukturellen Output der Intensivmedizin, nicht als Charaktermangel

Zentrale Befunde

  1. 2015

    Van Mol und Kollegen synthetisierten 25 Studien zu Intensivfachkräften und fanden Mitgefühlserschöpfungs-Prävalenz von bis zu 40 % in einigen Stichproben — was bestätigt, dass emotionale Taubheit eine vorhersagbare berufliche Folge der Intensivpflegearbeit im großen Maßstab ist, und systemische institutionelle Unterstützung statt nur individueller Interventionen fordert.

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