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Die Wissenschaft hinter dem Leid von Anwälten: Identität als Leistung, Abrechenbare Stunden und die Partner-Track-Falle
"Ich muss mehr Stunden abrechnen" und "Ich kann in dieser Kanzlei keine Schwäche zeigen" — das sind zwei Sätze, die belastete Anwälte in ihrer Not halten. Die Forschung erzählt eine strukturellere Geschichte: Der Rechtsberuf wählt systematisch eine Gruppe von Eigenschaften aus und belohnt sie — Pessimismus, Wachsamkeit, Selbstüberwachung —, die im Prozessrecht adaptiv, im restlichen Leben aber schädlich sind. Krill, Johnson und Alberts wegweisende ABA-Studie von 2016 ergab, dass 28 % der Anwälte Depressionskriterien erfüllen und 19 % Angstkritieren. Das sind keine Ausnahmen. Die Kennzahl der abrechenbaren Stunden verwandelt jeden persönlichen Moment in eine Leistungsfrage, der Up-or-out-Partnerschaftsweg macht Identität vom institutionellen Urteil abhängig, und Seligmans Forschung zeigt: Der in der Juristischen Fakultät antrainierte pessimistische Erklärungsstil sagt schlechtere Gesundheit und schlechtere Beziehungen außerhalb des Gerichtssaals voraus. Den Mechanismus zu verstehen ist kein Pessimismus. Es ist die Karte, die zeigt, warum individuelle Bewältigungsstrategien innerhalb eines so gestalteten Systems immer wieder versagen.