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FORSCHUNGS_CHRONIK

Die Wissenschaft der Geldangst: Warum Nicht-Hinschauen sicherer wirkt — und was die Daten zeigen

Das innere Skript sagt: 'Öffne die Banking-App nicht. Schau den Kontoauszug nicht an. Wenn ich die Zahl nicht sehe, kann sie mir nicht wehtun.' Zwanzig Jahre Forschung erzählen eine präzise Geschichte über dieses Skript. Ökonomen nannten es den Vogel-Strauß-Effekt und maßen es dann in Millionen Konto-Logins: Menschen prüfen Finanzinformationen genau dann seltener, wenn sie schlechte Nachrichten erwarten. Psychologen zeigten unterdessen, dass Finanzangst ein eigenständiges, messbares Muster ist, das um das Vermeiden von Geldinformationen herum gebaut ist, dass Knappheit selbst das Denken belastet und dass finanzielle Scham eine Spirale nährt, in der das Verstecken vor dem Problem es vertieft. So hat sich die Wissenschaft entwickelt.

Wie sich die Wissenschaft verändert hat · 20062021

  1. 2006

    Dan Galai und Orly Sade prägen im Journal of Business den Begriff 'Vogel-Strauß-Effekt' und dokumentieren, dass Anleger niedrigere Renditen bei Anlagen akzeptieren, deren schlechte Nachrichten leichter zu übersehen sind — ein Verhalten, das sie mit einem Strauß vergleichen, der Risiko behandelt, indem er so tut, als gäbe es keins.

  2. 2009

    Karlsson, Loewenstein und Seppi veröffentlichen 'The ostrich effect: Selective attention to information' und modellieren, warum Menschen nach schlechten Vorabnachrichten 'den Kopf in den Sand stecken' — und zeigen, dass schwedische und amerikanische Anleger ihre Portfolios seltener überwachten, wenn die Märkte fielen.

  3. 2012

    Shapiro und Burchell zeigen, dass sich Finanzangst als eigenständiges Konstrukt getrennt von Depression und allgemeiner Angst messen lässt — und dass finanzängstliche Personen in einer Aufmerksamkeitsaufgabe (dem Dot-Probe-Paradigma) durch das Vermeiden von Finanzinformationen gekennzeichnet waren.

  4. 2013

    Mani, Mullainathan, Shafir und Zhao veröffentlichen 'Poverty Impedes Cognitive Function' in Science — den empirischen Kern der Knappheits-Denkweise: Schon das Wachrufen einer großen Geldsorge senkte die kognitive Leistung einkommensschwacher Teilnehmer, und dieselben Bauern schnitten vor der Ernte (arm) schlechter ab als danach (flüssig).

  5. 2016

    Sicherman, Loewenstein, Seppi und Utkus veröffentlichen 'Financial Attention' in der Review of Financial Studies: In täglichen Login-Daten von Hunderttausenden Altersvorsorgekonten sanken die Logins nach Marktrückgängen um 9,5 % — der Vogel-Strauß-Effekt, in echtem Verhalten im großen Maßstab gemessen.

  6. 2017

    Olafsson und Pagels 'The Ostrich in Us' dehnt den Effekt vom Investieren auf das Alltagsgeld aus: In Finanz-App-Daten schenkten Menschen ihren Konten mehr Aufmerksamkeit, wenn Kontostände und Liquidität hoch waren, und schauten weg, wenn sie niedrig waren.

  7. 2021

    Gladstone, Jachimowicz, Greenberg und Galinsky dokumentieren in Organizational Behavior and Human Decision Processes 'finanzielle Schamspiralen': Finanzielle Scham sagt Rückzug von und Vermeidung der eigenen Finanzen voraus, was wiederum die Notlage vertieft, um die es bei der Scham ging.

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